Ein Wochenende voller Schritte, Gespräche und Sonnenschein – Rückblick auf das Jane’s Walk Vienna Festival 2026
Drei Tage, neun Walks, rund 300 Menschen, und strahlender Sonnenschein über der ganzen Stadt: Das Jane’s Walk Vienna Festival 2026 war ein voller Erfolg – und ein eindrucksvolles Zeichen dafür, wie viel es noch zu entdecken, zu diskutieren und gemeinsam zu erleben gibt, wenn man Wien zu Fuß erkundet.
Nach dem gelungenen Start in das Jane’s Walk Festival mit unserem Jane’s Talk im Gartenbaukino haben wir drei Tage lang Wien erkundet: Vom Maifeiertag bis zum ersten Sonntag im Mai führten neun Walk Leader durch ganz unterschiedliche Ecken der Stadt – von Kaisermühlen bis Margareten, vom Donaukanal bis zum alten WU-Areal am Althangrund. Was alle Walks verband: neugierige Menschen, lebhafte Gespräche unterwegs und die Überzeugung, dass die besten Stadtgespräche im Gehen stattfinden.
Freitag, 1. Mai

Den Auftakt machte Hanna Schwarz mit ihrem Walk „Der Blues in Kaisermühlen geht weiter“. Ausgehend von der U-Bahnstation flanierte die Gruppe an der Alten Donau entlang ins Herz des Viertels – vorbei am Goethehof mit seiner bewegten Geschichte, zur barrierefreien Neugestaltung des Büchereivorplatzes, zu neuer Radinfrastruktur in der Schödlbergergasse und – nach zehn langen Jahren des Wartens – zu endlich gesetzten Bäumen in der hitzebelasteten Sinagasse. Abschluss war der pulsierende Schüttauplatz, mit echten Kaisermühlnerinnen und -mühlnern im Gespräch – und angeblich dem besten Eissalon der Stadt gleich um die Ecke.
Eva Berger nahm ihre Gruppe mit in den Wiener Stadtpark – die erste große öffentliche Parkanlage der Stadt, 1862 auf einem Geschenk des Kaiserhauses eröffnet. Weitläufige Wiesen, alte Gehölze, der Kursalon, Denkmäler für Dichter und Komponisten: Ein Walk zwischen Geschichte und grüner Gegenwart mitten im ersten Bezirk.


Andy Nash stellte die Frage, die alle schon einmal gestellt haben: Where is the Wienfluss? Entlang des verborgenen Flusses von der U4-Station Stadtpark bis zum Rüdigerhof am Naschmarkt erkundete die Gruppe Stadtplanung, Otto Wagner, die kontrovers diskutierte Naschmarkt-Umgestaltung – und die Gruppe durfte ihre eigene Meinung laut sagen, ganz im Sinne von Jane’s Walk.
Den Abend beschloss Eugene Quinn mit einem Gang durch sein Grätzl rund um den Donaukanal – lebendig, spontan und voller Geschichten über die Entwicklung dieses Teils der Leopoldstadt.

Samstag, 2. Mai

Cornelia Dlabaja führte durch umkämpfte Räume, die Wien kulturell und politisch geprägt haben: vom Museumsquartier mit seinen Passagenmuseen und der Electric Avenue über das Amerlinghaus – wo Aktivistinnen und lokale Initiativen zu Wort kamen – bis zu den Transformationen und Raumkämpfen entlang der Burggasse. Ein Walk, der zeigte, wie sehr Stadtgeschichte auch immer eine Geschichte von Aushandlung und Widerstand ist.
Am Abend lud Nina Aichberger zum Graffiti*-Walk am Yppenplatz. Zwischen Sachbeschädigung, Kunst und politischem Handeln: Die Gruppe diskutierte, wer entscheidet, was bleibt und was verschwindet – und was Hinterlassenschaften im öffentlichen Raum über eine Stadtgesellschaft erzählen. Ausklingen ließ man den Abend in der Grätzlerei, einem Pilotprojekt der Suchthilfe Wien direkt am Platz.

Sonntag, 3. Mai

Der Sonntag startete früh: Andreas Lindinger erkundete beim Walk „Lebenswertes Nordbahnviertel“ mit der Gruppe die neuen Räume und Gebäude eines Viertels im Wandel – mit Fokus auf die Bruno-Marek-Allee als aufkeimende Geschäftsstraße und die Freie Mitte als naturnahen Grünraum. Wie gut wird das Erbe des alten Bahnhofs integriert? Wie verwoben ist das Viertel mit seiner Umgebung? Fragen, die sich am besten gehend beantworten lassen.
Gabriele Goffriller brachte Joseph Kyselak zurück nach Margareten: Den ersten „Graffiti-Tagger“ der Welt, der 1825 vier Monate lang durch das Kaisertum Österreich wanderte und überall seinen Namen hinterließ. Begleitet vom Kyselak-Darsteller Nikolaus Barton führte der Walk durch das biedermeierliche Margareten – auf Spuren, die 200 Jahre alt sind und noch immer Fragen aufwerfen.


Das Kollektiv Raumstation beschloss das Festival auf dem Gelände der alten WU am Althangrund – einem Ort in der Schwebe. Die Zwischennutzer sind ausgezogen, die Schadstoffsanierung läuft, der Städtebauliche Wettbewerb auch. Was wird hier entstehen? Ein Walk ins Offene, mit Einblicken des Kollektivs als ehemalige Zwischennutzerinnen und einem langen Gespräch über die Geschichte des Ortes seit dem Bau des Franz-Josefs-Bahnhofs im 19. Jahrhundert.
Danke!
Rund 300 Menschen sind an diesem Wochenende mitspaziert – unter einem Himmel, der mitgespielt hat wie selten. Danke an alle Walk Leader, die ihr Wissen, ihre Neugier und ihre Zeit geteilt haben. Danke an alle Mitspazierenden, die Gespräche mitgemacht, Fragen gestellt und Perspektiven eingebracht haben.
Danke an Wien zu Fuß von der Mobilitätsagentur Wien für ihre Unterstützung. Denn Wien zu Fuß entdecken – das ist das Herzstück von Jane’s Walk. Und dieses Wochenende hat gezeigt: Es gibt immer noch so viel zu gehen.
Die Fotos aller neun Walks sind auf unserer Website unter „Rückblick“ zu finden – schaut rein und erinnert euch an ein unvergessliches Wochenende!



